Der Klimawandel hinterlässt Spuren – Der Zustand der Wälder Nordhessens ist so schlecht wie selten zuvor

Wenn man durch den Wald spaziert, wird schnell klar: Der Klimawandel ist voll im Gange. Die Schneisen der Verwüstung nach extremen Stürmen und ganze Waldabschnitte mit vertrockneten Nadelbäumen zeichnen ein trauriges Bild.

Spätestens seit der extremen Dürreperiode im Jahr 2018 ist der Klimawandel auch in Deutschland spürbar. Er bedroht nicht nur den Lebensraum des Waldes im Allgemeinen, sondern auch die damit verbundenen wichtigen Funktionen, die er erfüllt, wie zum Beispiel die Klimaschutz-, Nutz- und Erholungsfunktion. Laut der Stiftung Unternehmen Wald produziert eine etwa 100 Jahre alte Buche jedes Jahr so viel Sauerstoff, dass ein Erwachsener mehr als 13 Jahre lang davon atmen kann.

 

Folgen des Klimawandels

Durch den Klimawandel häufen sich die Witterungsextreme wie Trockenheit, Hitze und Stürme, welche eine große Gefahr für den Wald darstellen. Die Bäume werden geschwächt und der Schädlingsbefall, zum Beispiel durch Insekten, erheblich begünstigt. Bestimmte Baumarten sind durch den Klimawandel besonders gefährdet und damit ist das gesamte Waldökosystem betroffen.

 

Eine Baumart leidet besonders

Eine Baumart bringt eine der wichtigsten Holzarten für die Industrie hervor. Das Holz ist vielseitig verwendbar und wächst sehr schnell nach. Die Rede ist von der Fichte. Sie ist besonders von der aufkommenden Trockenheit betroffen, weil ihre Wurzeln nicht in tiefe Bodenschichten vordringen, sondern sich knapp unter der Oberfläche ausbreiten. So geht den Fichten relativ schnell das Wasser aus und sie sind „leichte Beute“ für den Borkenkäfer, der eigentlich totes Holz bevorzugt. Doch unsere Fichten sind so geschwächt, dass sie ihn nicht mehr abwehren können.

 

Spitzenreiter

Deutschland gehört zu den waldreichsten Ländern Europas. Ein Drittel der Gesamtfläche ist hier mit Wald bedeckt. In Hessen sind es insgesamt ca. 42 Prozent des Landes. Wenn es um die Größe der im Bundesland vorhandenen Waldfläche geht, ist Hessen zusammen mit Rheinland-Pfalz Spitzenreiter. Doch der Zustand des Waldes ist so schlecht wie selten zuvor. Auch in den Wäldern Nordhessens ist diese Tatsache spürbar. Daher hat die Jordan-Stiftung entschieden, zu handeln und mit der Aktion Baumpate hier ein wichtiges Zeichen zu setzen.

 

Nicht nur Nadelbäume sind betroffen

Neben der Fichte leiden auch andere Baumarten unter diesem Zustand: Laubbäume, wie zum Beispiel die Buche, stehen ebenfalls zunehmend unter dem Klimawandel-Stress und zeigen dies mit kleinen, eingerollten Blättern. Die jährliche Absterberate der Baumarten in Hessens Wäldern liegt derzeit bei 2,3 Prozent und hat sich somit fast verachtfacht, viele Jahre lag der Durchschnitt bei 0,3 Prozent lag. 50 Prozent der abgestorbenen Bäume sind Fichten – ein Problem, was sich, wie oben bereits erwähnt, in ganz Deutschland bemerkbar macht. Insgesamt wiesen 2019 rund sieben Prozent der Waldbäume starke Schäden auf. Dies ist leider ein trauriger Rekordwert.

 

Zahl der Waldbrände nimmt zu

Auch die Waldbrandgefahr steigt durch den Klimawandel dramatisch an. In Hessen mussten die Brandschützer im Jahr 2019 rund 80 Mal zu Einsätzen ausrücken. Dabei ist eine Fläche von rund 19 Hektar abgebrannt. Das sind knapp 27 Fußballfelder. Im Dürrejahr 2018 gab es sogar 120 Einsätze. Die Wälder in Nordhessen sind in keinem guten Zustand, auch weil der Sturm „Friederike“ Anfang des Jahres 2018 eine Schneise der Verwüstung hinterlassen hat. Michael Gerst, Leiter des Landesbetriebs HessenForst, gab damals in einem Interview bekannt, dass der Orkan rund 2,7 Millionen Kubikmeter Holz zu Boden gedrückt habe. Dies entspricht ungefähr dem Volumen der Cheops-Pyramide.

 

Maßnahmen zur Vorbeugung

Durch die Komplexität aller Auswirkungen auf unsere Umwelt ist es schwierig, eine genaue Aussage zu treffen, wie es in naher und ferner Zukunft mit unseren Wäldern weitergeht. Fakt ist, dass selbst unsere robusten Bäume, wie die Eiche, den Konsequenzen irgendwann nicht mehr standhalten können. Deswegen findet in Hessen ein regelmäßiges Umweltmonitoring zur Überwachung des Waldzustandes statt, um stichprobenweise Untersuchungen zur Entwicklung des Waldes durchzuführen. Darüber hinaus werden eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die den Ist-Zustand des Waldes positiv beeinflussen sollen: Dazu gehören beispielsweise die Jungbestandspflege, die Bodenschutzkalkung oder der Waldumbau im Allgemeinen. In jedem Falle benötigt das Ökosystem Wald unsere Hilfe, dem Klimawandel langfristig entgegenzuwirken.